Erinnerung an den Nationalsozialismus in Bad Saulgau
Am 27. Januar wurde in der Christuskirche in Bad Saulgau wieder an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Aus der Schwäbischen Zeitung vom 02.02.2026
Bad Saulgau Seit 1996 wird in der BRD der 27.Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. An diesem Tag wird an die Millionen von Menschen erinnert, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt und ermordet wurden.
Im Jahr 2005 wurden auf dem damaligen Kauflandareal in Bad Saulgau zum 60. Jahrestag des Kriegsendes zwei Gedenksteine aufgestellt. Denn dort befand sich von August 1943 bis April 1945 ein KZ-Außenlager des KZ Dachau, in dem bis zu 400 Häftlinge gefangen gehalten wurden. Diese mussten in der konfiszierten Binderhalle der Firma Bautz an der sogenannten V-2-Wunderwaffe schuften. Seither fand dort an diesem Tag eine Gedenkveranstaltung statt, um insbesondere an diese armen Menschen zu erinnern, so die beiden Initiatoren Doris Gaißmaier und Michael Skuppin.
Nachdem durch Flächentausch zwischen Kaufland und der Firma Claas dieser Gedenkort weggefallen und der Gedenkstein abgebaut worden war und Corona-bedingt in den Folgejahren keine öffentlichen Veranstaltungen abgehalten werden konnten, gibt es inzwischen wieder eine Gedenkveranstaltung – in der evangelischen Christuskirche.
Auch die beiden Gedenksteine wurden im April 2025 wieder aufgestellt, der größere Gedenkstein auf dem Friedhof, beim Kriegsgräberdenkmal, der kleinere als sichtbarer Stolperstein gegenüber des Bahnhofs. Erfreulicherweise beteiligten sich in diesem Jahr auch ein Schüler und zwei Schülerinnen der Jahrgangsstufe 2 des Wirtschaftsgymnasiums am Kreisberufsschulzentrum in Bad Saulgau an dieser Veranstaltung. Yasin Akiyldiz am Saxophon und Vanessa Lutzke am Piano stimmten sehr berührend auf das Gedenken ein, und als Solist zeigte Yasin Akyildiz noch zweimal sein Können.




Nach einer historischen Einführung durch Doris Gaißmaier, die auch an die Saulgauer Bürger erinnerte, die unter dem NS-Terrorregime litten, und an zwei jüdische Familien, die zum Glück noch rechtzeitig fliehen konnten, zitierten Vanessa Lutzke und Ayse Sanverdi aus ihrer Seminararbeit über jüdisches Leben in Buchau während des zweiten Weltkriegs und danach. Dabei warfen sie auch ein Schlaglicht auf den Wert und die Notwendigkeit einer lebendigen Erinnerungskultur.
Anschließend ging Doris Gaißmaier auf den Alltag im hiesigen KZ ein und erinnerte an Maria Baumann und Rosa Hürner, die unter Lebensgefahr ermöglicht hatten, dass KZ-Häftlinge unzensierte Briefe nach Hause schicken konnten.
Michael Skuppin ging am Ende des Gedenkens noch einmal auf die Wichtigkeit des Erinnerns ein. Es mache ihm Angst, dass eine Partei, deren Ehrenvorsitzender die systematische und industrielle Vernichtung von sechs Millionen Menschen als „Vogelschiss in der Geschichte“ bezeichnet, für ein Viertel der Bevölkerung wählbar ist. Es mache ihm aber Mut, dass es zu allen Zeiten nach 1945 Menschen gab, die den Satz „Ich hab von nix gewusst“ nicht sagten, weil sie hingesehen oder hingehört hatten und wissen konnten und wollten.
Er bedankte sich besonders bei den jungen Menschen dafür, dass sie sich in ihrer Seminararbeit mit dieser historischen Thematik beschäftigen. Dabei zitierte er auch den Präsidenten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, General a.D. Wolfgang Schneiderhan, der jüngst in Sigmaringen gesagt hatte, dass wir wieder mehr persönliche Begegnungsräume brauchen, um aus der Internet-Blase herauszukommen und zu einer menschlichen Auseinandersetzung auch bei schwierigen Themen zu gelangen. Dabei sollte uns ein Satz des ehemaligen Juristen Fritz Bauer leiten, den dieser im Jahre 1920 anlässlich seines Abiturs am Stuttgarter Eberhard-Ludwigs-Gymnasium formuliert hatte: „Wir können aus der Erde keinen Himmel machen. Aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird!“
Abschließend bestand die Möglichkeit, am Gang zum im April wieder installierten großen Stolperstein gegenüber des Bahnhofs teilzunehmen, um dort ein Erinnerungslicht anzuzünden.
BAR
6. Februar 2026
Schule des
Landkreises